Warum Lacrosse glücklich macht – Positive Psychologie im Teamsport

Gute 10 Monate ist es nun her, seitdem ich das letzte Mal auf dem Lacrosseplatz stand. Seitdem ist viel passiert. Auf der Suche danach was ein sinnvolles Leben und glückliches Leben ausmacht, habe ich mich unter anderem mit dem Themenfeld der positiven Psychologie beschäftigt. Dabei sind mir einige Parallelen zum Lacrosse aufgefallen, die ich hier mal zusammenfassen möchte.

Was ist Positive Psychologie?

Positive Psychologie ist der Bereich der Psychologie, der sich nicht mit mentalen Krankheitsbildern beschäftigt, sondern mit „normalen“ Menschen und der Frage wie diese mehr Glück und Zufriedenheit erfahren können.

Laut einem der Väter dieses Bereichs, Martin Seligman, gibt es drei verschiedene Wege oder Leben zum Glück:

  1. Das angenehme Leben: Maximierung von vergnüglichen Emotionen.
  2. Das gute Leben: Engagement in Aktivitäten, die einen häufig in sogenannte „Flow States“ bringen, in denen man „voll aufgeht“ und das Zeitgefühl verliert.
  3. Das sinnvolle Leben: Nach moralischen und ethischen Werten leben und seine Stärken dazu einzusetzen etwa Größeres als sich selbst zu unterstützen.

Klar, jetzt kann man sagen das hier Glück verwissenschaftlicht wird und das es eigentlich immer etwas Subjektives ist. Dennoch gibt dieser Themenbereich Hinweise darauf, wie man ein zufriedenes Leben leben kann.

Aus meiner Sicht verkörpert Lacrosse alle drei Wege zum Glück.


Das angenehme Lacrosseleben

Ob das wohlverdiente Bierchen nach dem Training oder die Teamfahrt im Mannschaftsbus – die angenehmen Momente, die positive Emotionen auslösen sind endlos in der Lacrossecommunity.

Das erfüllende Gefühl, wenn man sich den Groundball erkämpft hat oder die Gelassenheit und der Spaß auf einem Tunierwochenende – supergeil. Auch die Freundschaften, die durch Lacrosse entstehen sind Teil des angenehmen Lebens.

Oft denke ich zurück an die Bus- oder Bahnfahrten. Nach gewonnenen sowie verlorenen Spielen haben Gemeinschaft, Verrücktheit und Gleichgesinntheit von Teamkollegen immer für tolle Momente gesorgt.

Erfolgsmomente. Niederlagen. Zusammenraufen. Weitermachen. Das High-Five nach dem Tor. Mit den Teamkollegen feiern. Gegenseitige Motivation im Kraftraum. Früh morgens aus dem Bett quälen für Sprints und Speedladder. Ein Überschwang an Emotionen in der Hitze des Gefechts auf dem Spielfeld.

Diese Emotionen sind es doch, die das Leben lebenswert machen.


Das gute Lacrosseleben

Der Flow Zustand, den Seligman in der positiven Psychologie beschreibt und der das „gute Leben“ ausmacht, heißt auf lacrosserisch: being in the zone.

Ob beim Training oder im Spiel, wenn der Ball fliegt übernimmt ein gewisser Automatismus und man ist plötzlich im Moment. Keine Zeit über Fehler der letzten Wochen nachzudenken, denn der Ball ist auf dem Boden und muss aufgehoben werden. Konzentration in der Defense, das Slidepackage will organisiert sein. Fangbereitschaft in der Offense, beim nächsten Pass wird gezimmert.

Wer freut sich nicht auf das Training am Abend, um sich auszupowern und sich nicht mit einem der 70.000 Gedanken pro Tag beschäftigen?

Lacrosse ist Meditation, Therapie und Ausflucht aus dem Alltag in Einem. Auf dem Feld vergeht die Zeit wie im Flug. Ball verloren? Next Play Mentality. Weitermachen bis der Pfiff kommt.

Dieses Gefühl von Flow ist nicht einzigartig für Lacrosse, aber die Action, Schnelllebigkeit und Intensität, verstärkt das Gefühl von „being in the zone.“


Das sinnvolle Lacrosseleben

Die ersten beiden Levels hat bestimmt jeder Lacrosser schonmal erfahren. Das dritte Level welches mehr Sinn stiftet, als die anderen beiden, ist schwieriger zu erreichen.

Zum einen kann es ein tolles Team sein für das man sich einsetzt und über sich hinaus wächst. Zum anderen kann es ein neuer Spieler sein, den man unter seine Fittiche nimmt und hilft. Aber da geht noch mehr.

Oft wird es vergessen (oder zu wenig gewürdigt), aber unser Lacrossesport in Deutschland ist nur durch Engagement im Ehrenamt entstanden. Einige wenige haben sich dazu berufen gefühlt, ihre Stärken, Zeit, Energie, Schweiß, und ab und an bestimmt auch mal eine Träne in ihren Verein, Liga oder auf nationalem Level in den Verband zu investieren.

Ich geh offen zu, dass ich mich nie dazu berufen gefühlt habe. Stattdessen habe ich mir Gedanken gemacht, wie ich meinen geliebten Sport mit meinen Stärken unterstützen kann. Da ich gerne schreibe und weiß wie man eine Webseite baut, ist es nun diese Plattform geworden.

Oft denken wir, dass Ehrenamt nur mit lästigen Aufgaben für einen selbst verbunden ist. Was wir vergessen ist die Freude, die damit für andere kreiert wird.

Hier also einen ganz großen Dank an alle ehrenamtlichen Lacrosseenthusiasten. Ohne euch, wäre Level 1 und 2 des glücklichen Lacrosselebens garnicht erst möglich!

Hier auch ein Appell an die Lacrossecommunity dem Ehrenamt und anderen lacrosse-unterstützenden Unternehmungen mehr Dankbarkeit und Engagement entgegen zu bringen.

Fakt ist, jeder kann seine Stärken dazu einsetzen den Lacrossesport weiterzuentwickeln, der uns auf erstem und zweiten Level so viel gibt.

Und wenn es nur der Lieblingswallballspot ist, den ihr hier auf der Seite von DLAXN eintragen könnt, damit ihn auch andere genießen können. 😉


Wann Lacrosse nicht glücklich macht

Lacrosse ist aber leider auch kein Allheilmittel zum persönlichen Glück. In der Vergangenheit habe ich oft Spieler gesehen, die aus der falschen Motivation den Sport ausüben und so nicht nur freudige Erfahrungen machen.

Ein Phänomen sind die „Lax Bros“. Jene, die Lacrosse nur spielen, weil es etwas exotisches ist und einen selbst interessant erscheinen lässt. Diese Art von Lacrossespieler hat mehr Lacrossefotos auf Facebook oder Instagram, als er jemals beim Training aufgetaucht ist. Die tollste Ausrüstung hilft aber kaum, wenn man keinen Ball fangen kann. Klar, kann man mal Fotos teilen von einem Sport und einer Community, die einen wirklich erfüllt. Aber wenn man nur das Image eines Lacrosser haben will, macht das auf lange Sicht nicht zufrieden.

Ein weiterer Grund für „Unglück“ im Lacrosse ist das Vergleichen mit Spielern die schon viel länger spielen. Wenn man sich ständig einredet, dass man schlechter ist als alle anderen ist das nicht nur für die sportliche Entwicklung sondern auch für die mentale Gesundheit pures Gift. Selbstverständlich hilft es sich bei besseren Spielern zu orientieren und nach Tipps zu fragen, aber du solltest einfach immer 100% eben und dich nur mit dir (selbst beziehungsweise mit der Vergangenheitsversion von dir selbst) vergleichen.

Umgekehrt gilt es für Spieler, die schon länger spielen, sich nicht besser zu fühlen als neuere Spieler. Wer hat schon Lust mit einem arroganten, alten Sack zu spielen? So funktioniert kein gutes Miteinander. Wenn man sich als guter Spieler jedoch auf das Coaching und damit die Weitergabe seines Lacrossewissens und -fähigkeiten konzentriert, erfährt man mehr Sinnhaftigkeit und Freunde.

Letztendlich sollte man Lacrosse spielen, weil es Spaß macht, weil man sich auspowern kann, weil man tolle Leute trifft und weil es schöne Erinnerungen beschert. Wie überall im Leben gilt, desto freier man sich von anderer Leute Meinungen macht, desto glücklicher ist man 🙂

Care about what other people think and you will always be their prisoner.

— Lao Tzu

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